Wasserstoffautos: Die 75-Euro-Kraftstofflösung für Taxis und Langstrecken

36

Die Kraftstoffpreise an der Zapfsäule steigen. Neuwagenkäufer verschwinden aus den Ausstellungsräumen. Seit über einem Jahr schwanken die Neuzulassungen von Pkw. Im Juni 2022 wurden nur noch rund 170.000 Autos zugelassen, im Vergleich zu fast 200.000 im Juni 2021. Das ist ein Rückgang von fast 15 %. Nur Elektrofahrzeuge ziehen ihr Gewicht an.

Wie funktionieren Wasserstoffautos eigentlich?

Ein Wasserstoffauto ist ein Elektroauto. Es bekommt seine Kraft einfach anders. Herkömmliche Elektrofahrzeuge speichern Strom direkt in einer Batterie. Wasserstofffahrzeuge nutzen Brennstoffzellen. Diese Zellen wandeln Wasserstoff in Strom um. Als Nebenprodukte entstehen bei dem Prozess auch Wärme und Wasser.

Die Zulassung von Wasserstoffautos bleibt in Frankreich eine Nische. Werden niedrige Spritpreise endlich den Absatz ankurbeln?

„Heute können wir eine Tankfüllung für 75 Euro anbieten“, sagt Camille-Léa Passerin. Sie ist Entwicklungsleiterin bei HYSETCO. Dieses französische Startup ist einer der führenden europäischen Anbieter für Wasserstoffmobilität. Eine Tankfüllung für 75 Euro klingt fast traumhaft. Doch was fasst eigentlich ein Wasserstofftank?

„Ein Taxi verbraucht etwa 1,2 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer“, erklärt Passerin. „Mit einem 5 bis 6 Kilogramm schweren Tank ergibt sich eine reale Reichweite von etwa 500 Kilometern.“

Warum sich zuerst auf Taxis konzentrieren?

Passerin erwähnt Taxis, weil sie diesen Anwendungsfall am besten kennt. HYSETCO hat einen schlüsselfertigen Service für Berufskraftfahrer aufgebaut. Sie stellen Wasserstoffverteilungsstationen bereit. Außerdem unterhalten und vermieten sie eine Fahrzeugflotte an diese Kunden.

„Wasserstoff eignet sich besonders gut für den intensiven Einsatz“, betont Passerin. „Es dient Profis, die eine gute Autonomie benötigen und es sich nicht leisten können, 30 Minuten auf das Aufladen einer Batterie zu warten.“

Das Erlebnis an einer Wasserstoffzapfsäule spiegelt das Tanken von Benzin wider. Der Tank füllt sich in weniger als fünf Minuten. Kein Warten. Keine Ladekabel. Nur Treibstoff.

Dieses Modell eignet sich für Fahrer mit hoher Kilometerleistung. Es funktioniert auch für diejenigen, die eine Reichweite ohne die Reichweitenangst früherer Elektrofahrzeuge wünschen. Da die Gaspreise weiterhin hoch bleiben, wird die Rechnung immer klarer. Die Infrastruktur wächst. Die Technologie ist bewährt. Die Frage ist nur, ob Verbraucher von Batterien auf Tanks umsteigen werden.

Die Wasserstoffpreislücke: Warum sie sich immer noch künstlich anfühlt

Um Käufer zu überzeugen, kommt es nicht nur auf die Technologie an. Es geht um das Raster. Sie brauchen Stationen. Sie brauchen sie auf Ihrer Route. Wenn sie nicht da sind, werden Sie das Auto nicht kaufen.

Camille-Léa Passerin bringt es auf den Punkt. Die frühen Taxifahrer nutzten Wasserstoff nur, weil sie tatsächlich eine Haltestelle auf ihrem täglichen Weg fanden. Heute betreibt HYSETCO vier Stationen in Paris. Sie fördern monatlich etwa 7 Tonnen Wasserstoff. Das bedient rund 200 Taxis. Das Ziel? Zwölf Stationen bis 2024. Tausende Fahrzeuge dahinter.

Im Moment ist die Auswahl erschreckend klein. Passerin gibt es zu. Sie haben die Toyota Mirai Limousine. Der Hyundai Nexo SUV. Das ist es. Zwei Autos. Aber der Versorgungssektor verändert sich. Transporter und Lastwagen kommen in den Chat. Wasserstoff hat da einen klaren Vorteil. Elektrische Batterien erhöhen das Gewicht. Wasserstofftanks nicht. Sie behalten Ihre Nutzlast. Der Kraftstoff belastet den LKW nicht wie ein riesiger Lithium-Akku.

Für den Durchschnittskäufer? Batterieelektrische Fahrzeuge gewinnen immer noch. Sie sind heute günstiger in der Anschaffung. Sie bleiben günstiger. Bis zwei Dinge passieren. Erstens kommen mehr Wasserstoffautos auf den Markt. Zweitens wird das Bahnhofsnetz tatsächlich erweitert. Und schließlich nimmt die Industrialisierung zu. Dann sinken die Anschaffungskosten. Der Sektor benötigt weiterhin Subventionen. Vorschriften erzwingen Alternativen zum Verbrennungsmotor. Die Industrialisierung wird folgen. Die Kosten werden sinken.

Schauen Sie sich den Toyota Mirai 2 an. Er kostet fast 15 % weniger als die erste Generation. Der Trend geht nach unten.

Dann ist da noch der Treibstoff. Der Preis an der Zapfsäule ist… seltsam. Es fühlt sich künstlich an. Warum? Weil wir subventioniert werden. Und weil wir noch nicht genug grünen Wasserstoff verteilen können. Passerin erkennt die Lücke. Derzeit kostet eine volle Tankfüllung 75 Euro. Das sind etwa 15 Euro pro Kilogramm. Das von ADEME festgelegte Ziel liegt bei 9 Euro pro Kilogramm. Wenn wir das treffen? Eine volle Tankfüllung sinkt auf 45 Euro.

Nicht schlecht. Aber noch nicht Realität.