Ford plant den Verkauf des Valencia-Werksflügels an Geely und läutet damit eine neue EV-Ära für beide Giganten ein

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Berichten zufolge befindet sich Ford in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf eines Teils seiner Produktionsstätte im spanischen Valencia an den chinesischen Automobilgiganten Geely. Dieser strategische Schritt würde es Geely ermöglichen, erstmals eigene Markenfahrzeuge in Europa zu produzieren, beginnend mit einem kompakten Elektro-Crossover für den britischen Markt.

Der Deal stellt einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt für beide Unternehmen dar: Ford versucht, seine europäischen Aktivitäten angesichts rückläufiger Umsätze zu stabilisieren, während Geely hohe Importzölle umgehen und eine physische Produktionsstätte auf dem Kontinent aufbauen will.

Ein strategischer Wandel in Valencia

Berichten der spanischen Automobilzeitschrift La Tribuna de Automoción zufolge würde Geely die Kontrolle über die Karosserie-3-Montagehalle des Werks übernehmen. Diese spezielle Linie stellte zuvor beliebte Modelle wie Mondeo, Galaxy und S-Max her.

Das Werk in Valencia verfügt derzeit über eine Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen, liegt aber weit unter dieser Grenze und produziert nur den Kompakt-SUV Kuga. Durch die Anmietung oder den Kauf dieser ungenutzten Fläche kann Geely mit der Produktion beginnen, ohne dass die enormen Kapitalaufwendungen erforderlich sind, die für den Bau einer neuen Fabrik von Grund auf erforderlich wären.

Zu den wichtigsten Auswirkungen des Deals gehören:

  • Für Ford: Die Transaktion würde eine entscheidende Finanzspritze für die europäische Division von Ford darstellen und dazu beitragen, sinkende Verkaufszahlen auszugleichen.
  • Für Geely: Es bietet einen Halt auf dem europäischen Markt und ermöglicht dem Unternehmen, vor Ort zu produzieren und die EU-Strafzölle von 18,8 % auf aus China importierte Elektrofahrzeuge zu vermeiden.

Das Galaxy EX2: Geelys Europa-Debüt

Geelys erstes Produkt aus dem Werk in Valencia wird voraussichtlich das Galaxy EX2 sein, ein kompakter Elektro-Crossover, der etwa die Größe des Ford Puma hat. In China ist dieses Modell als Galaxy Xingyuan bekannt und war im vergangenen Jahr das meistverkaufte Auto des Landes.

Das Fahrzeug wird auf der modularen GEA-Plattform von Geely gebaut, einer flexiblen Architektur, die sowohl Elektro- als auch Plug-in-Hybrid-Antriebsstränge in verschiedenen Karosseriegrößen unterstützt. Branchenquellen deuten darauf hin, dass Geely diese Linie möglicherweise auch zur Produktion eines Ford-Modells auf Basis derselben GEA-Plattform nutzen könnte, was auf eine tiefere technische Zusammenarbeit als bei einer einfachen Immobilientransaktion hindeutet.

Überdenken von Fords zukünftigem Crossover

Diese Partnerschaft könnte Fords eigene Produkt-Roadmap in Europa grundlegend verändern. Letztes Jahr bestätigte Ford Pläne, im Werk Valencia einen neuen Crossover auf den Markt zu bringen, der indirekt den Focus ersetzen soll. Ursprünglich sollte dieses Fahrzeug die bestehende C2-Plattform von Ford (gemeinsam mit dem Kuga) nutzen, um die Kosten für die Umrüstung der Produktionslinie zu minimieren.

Die mögliche Zusammenarbeit mit Geely eröffnet Ford jedoch die Möglichkeit, stattdessen die GEA-Plattform von Geely für dieses neue Modell zu übernehmen. Dies würde es Ford ermöglichen, die fortschrittliche Elektroarchitektur von Geely zu nutzen und gleichzeitig die Produktion in Europa aufrechtzuerhalten. Es steht im Einklang mit der umfassenderen Strategie von Ford, Partnerschaften für seine europäische Produktpalette zu nutzen, ähnlich wie Capri und Explorer die MEB-Plattform von Volkswagen nutzen und wie zukünftige Elektrofahrzeuge die Ampr-Architektur von Renault nutzen werden.

Fortgeschrittene Verhandlungen

Berichten zufolge sind die Gespräche zwischen den beiden Autoherstellern „sehr weit fortgeschritten“. Geely hat bereits damit begonnen, Lieferanten in und um Valencia zu kontaktieren, um sich auf mögliche Operationen vorzubereiten. Sollte dieser Deal abgeschlossen werden, wäre er ein historischer Moment für die europäische Automobilindustrie und verdeutlicht, wie traditionelle Hersteller und aufstrebende chinesische Giganten zunehmend auf Zusammenarbeit angewiesen sind, um in einem sich schnell elektrifizierenden Markt zu überleben.

Zusammenfassend ist der geplante Verkauf eines Teils des Ford-Werks in Valencia an Geely mehr als eine Immobilientransaktion; Dabei handelt es sich um eine strategische Allianz, die es Ford ermöglicht, ungenutzte Vermögenswerte zu monetarisieren und es Geely gleichzeitig ermöglicht, EU-Zölle zu umgehen und einen bewährten Bestseller in Europa auf den Markt zu bringen.